Alles begann vor etwa 15 Jahren.

So wie mein Arbeitstag zu der Zeit aussah, stand ich wieder mal an einer CNC-Fräsmaschine und produzierte Kleinteile aus Kunststoff. Als ich wieder ein fertiges Teil entnehmen wollte,um es neben mir auf einen Tisch zu legen. Bei der Drehung blieb mein rechtes Bein einfach stehen. Ich bin bei Drehung fast hin gefallen, ich hatte keine Schmerzen aber dennoch sehr erschrocken.

Ich meldete mich von der Arbeit ab und fuhr zu meinem Hausarzt (Internist). Nachdem ich ihm alles geschildert habe überwies er mich an einen Neurochirurgen. Mit dem Verdacht auf eine Nerven-Funktionsstörung. Der wiederum drehte mein Innerstes nach außen, zumindest was die Leitungsfähigkeit meiner Nerven anbelangt. Auch ein EEG wurde veranlasst.

Diagnose: Unterdurchschnittliche Nervenleitfähigkeit des rechten Beins.

Ohne Chancen auf Heilung, habe ich mich damit abgefunden und mich daran gewöhnt, dass mein Bein nicht immer so reagiert wie ich das möchte.

Etwa ein Jahr Später habe ich mich „Verhoben“ Hexenschuss (AUA), dachte ich…

Nach einigen Schmerzspritzen in den Rücken(Quaddeln) konnte ich mich wieder einigermaßen bewegen, aber an arbeiten war nicht zu denken.

Also nochmal zum Hausarzt. Der hat mich an eine Klinik überwiesen in der, zu der Zeit, das neuste MRT-Gerät gestanden hat.

Bevor ich in die Röhre kam, stellte mich der dortige Arzt nochmal auf den Kopf. Bei den Untersuchungen stellte sich heraus, dass mein Oberflächenempfinden auf der Außenseite meines rechten Oberschenkels gestört war. Anschließend ging es in die Röhre.

Bei der Visite am nächsten Tag bekam ich die Diagnose: Bandscheibenvorfall L5/S1

Der Arzt sagte mir, er müsse sofort operieren und die Bandscheibe versteifen. Im ersten Moment war das ein Schock.

Nach einer schlaflosen Nacht und 1000 und 10 Gedanken sagte ich dem Arzt, dass ich erst noch eine zweite Meinung einholen möchte und er mir die Bilder zur Verfügung stellen solle. Die Aussage des Arztes hat mich dann völlig aus der Bahn geworfen!

Er meinte, wenn ich mich nicht sofort operieren lassen würde, dann wäre ich ein Simulant und hätte nichts mehr in seiner Klinik verloren.

Da ich zwar immer noch Schmerzen hatte, jedoch auch über die Möglichkeit einer Simulation oder besser gesagt über eine psychosomatische Ursache nachdachte, bin ich erst mal wieder nach Hause. (mit den Bildern)

Nach weiteren 2 Wochen im Bett ohne merkliche Besserung trotz der starken Schmerzmittel, fing ich an, an mir selbst zu zweifeln. Ich habe über eine Woche gebraucht, um mich aus diesem Tief raus zu arbeiten. Es ging mir etwas besser und auch an die Schmerzen hatte ich mich etwas gewöhnt, aber an arbeiten war so immer noch nicht zu denken.

Internet sei Dank,(auch wenn es noch lange nicht so informativ war wie heute) habe ich ein Ärztehaus gefunden, in dem sich 4 Professoren selbständig gemacht haben und ausschließlich Wirbelsäulen behandeln.
Ich habe sogar innerhalb von einer Woche einen Termin bekommen.

Bei dem Termin nahm ich die Bilder natürlich mit, aber die wollte der Professor erst mal gar nicht sehen.(ich war sehr skeptisch) Ich sollte vor ihm hin und her laufen, mich auf die Zehenspitzen und Fersen stellen und dabei laufen. Auch die Berührungsempfindlichkeit an den Oberschenkeln hat er geprüft genauso wie das Kraftverhältnis in meinen Füßen. Nach diesen Untersuchungen (etwa 5-10 Min.) hat er sich die Bilder dann angesehen.

Diagnose: Schwerer Bandscheibenvorfall L5/S1 mit Spinalkontakt!

Er hat jedoch massiv gegen eine OP geraten, da nach einer Versteifung spätestens in 10 Jahren die nächste Bandscheibe darüber kaputt wäre. Er empfahl mir alternative Behandlung, Reha-Maßnahme für den Muskelaufbau und weiteren Sport.

In Zusammenarbeit mit meiner Krankenkasse, Rentenversicherung und Hausarzt, bekam ich nach 4 Wochen die Zusage für eine Reha-Maßnahme. 6 Wochen nach der Reha, war ich fast schmerzfrei, auch hatte ich keine Ausfallerscheinungen mehr.

Überglücklich begann ich wieder meine Arbeit! Gelegentlicher Sport und regelmäßige Schmerztabletten machten das Leben wieder erträglich. So vergingen weitere 6-7 Jahre. Auch wenn ich tageweise sogar schmerzfrei war, so wurden die Schmerzen nach und nach wieder schlimmer. Ich entschied mich für eine weitere Reha. Ich bekam auch sofort einen Platz und nach 4 Wochen Reha-Sport ging es wieder einigermaßen. Weitere Schmerzmittel und Sport halfen mir weiter bis, ja bis Ende 2016.

Mit mehr Schmerzmitteln konnte ich zumindest meinen Job weiterhin einigermaßen ausüben. Bis Mitte 2017. Die Schmerzen im Rücken hielten sich in Grenzen, jedoch die Schmerzen im rechten Bein bis runter in den kleinen Zeh wurden trotz der Schmerzmittel immer schlimmer. Auch dieAusfallerscheinungen und Taubheit des rechten und linken Beins nahmen zu.

Nachdem ich mittlerweile erfahren habe, dass die dauerhaften Schmerzen bei mir Depressionen ausgelöst haben bin ich in ein ziemlich tiefes emotionales Loch gefallen. Am 12.06.2017 wurde ich arbeitsunfähig geschrieben.

In dieser Zeit bemühte ich mich um eine weitere Reha-Maßnahme. Im September begann ich die Reha und nach drei Wochen habe ich die Maßnahme ohne Erfolg beendet. Wie das in solchen Momenten so ist, da taucht ein Freund auf, den man als solchen nicht erkannt hat und wäscht einem mal richtig den Kopf!

Nach einer Woche bekam ich einen Termin für ein erneutes MRT. Das Bild ließ selbst für einen Laien keine Zweifel offen, da war kaum noch Substanz zwischen dem fünften Lendenwirbel und dem ersten Steißwirbel und der Spinalkanal war voll von der ausgetretenen Bandscheibenmasse.

Eine Woche später hatte ich einen Termin bei dem Professor der mir damals von der OP abgeraten hatte.

Gleiche Untersuchungen und dann der Blick auf die aktuellen Bilder.

Diagnose: Schwerer Bandscheibenvorfall L5/S1 mit Spinalkontakt

Er sagte mir direkt, das muss operiert werden, allerdings anders als ich erwartet hatte.

Bei einem minimalinvasiven Eingriff wird nur die ausgetretene Gallertmasse im Spinalkanal entfernt. Alles andere bleibt unberührt. Kein Einsetzen von Teilen und auch keine Versteifung. Und noch eine weitere positive Nachricht ergab sich aus dem Gespräch. Etwas worüber man aus Schamgefühl eher nicht spricht. Seit längerer Zeit hatte ich Probleme mit der Kontrolle meines Schließmuskels, was mir natürlich extrem unangenehm war. Auch viele Untersuchungen brachten keinen Erfolg. Der Professor meinte, das dies ebenfalls eine Nebenwirkung des Vorfalls sei. Er bereitete die Unterlagen für eine OP vor, gab sie mir in die Hand und sagte: „Schlafen sie ein paar Nächte drüber und entscheiden sie in Ruhe!“

Nachdem ich mir die Unterlagen und die Risiken, mehrmals durchgelesen hatte, brauchte ich noch fast 2 Wochen um mich für die OP zu entscheiden. Einen Anruf und zwei Tage später bekam ich den Termin für die OP.

Am 05.12.17 ins Krankenhaus am 06.12.17 Mittags die OP, 14:50 zurück auf dem Zimmer, 15:05 wurde der Tropf entfernt und um 15:15 bin ich eine rauchen gegangen! Schmerzfrei! Ohne Taubheitsgefühl und ohne Ausfallerscheinungen!

Postoperativ geschah genau das was der Professor vorher angedeutet hat. Starkes Taubheitsgefühl durch die Reizung der Nerven.

Heute 4 Wochen nach der OP kann ich nur sagen, mir geht es super!

Das Taubheitsgefühl geht merklich immer weiter zurück und am 29.12.2017 habe ich die letzten Schmerzmittel genommen.

Okay, jetzt bin ich auf Entzug, aber 15 Jahre Schmerzmittel wird der Körper nun mal vermissen, dennoch kann ich sagen,dass es sich gelohnt hat! In etwa 14 Tagen werde ich eine ambulante Reha beginnen und anschließend wieder in meinem Job arbeiten. Ich freue mich jetzt schon auf meinen ersten Arbeitstag!
Alle Beschwerden haben sich auf ein Minimum reduziert! Inklusive meiner Probleme mit meinem Schließmuskel.

Ich hoffe das dieser Beitrag auch anderen Menschen hilft und wenn es Fragen gibt, dann werde ich sie nach bestem Wissen und Gewissen beantworten!

Für mich beginnt jetzt ein neues Leben!

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